Luftfrachtcharter von Brasilien nach Schweden

Um einen Luftfracht Charter (Raketen, Gefahrgutklasse 1 Sprengstoff), von Brasilien nach Kiruna in Schweden durchzuführen, bedarf es Know-how, guter Kontakte und viel Flexibilität, oder wie unser Kunde meint: „Man muss in der Lage sein einen Logistik-Krimi zu schreiben“.

Bei Auftragsverhandlungen Mitte April gab uns die Chartergesellschaft ein Transportfenster für Mitte Juni. Hintergrund: Der Standard-Chartervertrag wird seitens der Gesellschaft nur akzeptiert, sofern sämtliche für den Transport notwendigen Genehmigungen mindestens vier Wochen vor Transportbeginn vorliegen.

Aus Sicht unseres Kunden nicht akzeptabel, da aus Erfahrung die brasilianische Regierung die Exporterlaubnis erst wenige Tage vor dem Transport erteilt. Das Projekt drohte zu scheitern, da der Kampagnenbeginn in Kiruna/SE bereits für den 7. Mai fest vereinbart war.

Hinter dem Projekt steht ein wissenschaftlicher Großauftrag unseres Kunden, dessen terminliche Nichteinhaltung weitreichende, dramatische Folgen gehabt hätte.

Mit Hilfe unseres Charter-Agenten konnten wir die Fluggesellschaft dazu bewegen, dass gut zwei Wochen ausreichend sein müssen, um sämtliche Genehmigungen einzuholen, also in der Hälfte der üblichen Zeit. Sie sind auf unsere Argumente und Bitten eingegangen.

Noch fehlten jedoch die Genehmigungen für das Abgangsland Brasilien, für das Empfangsland Schweden und für alle Länder die aus technischen Gründen angeflogen werden müssen.

Unser Kunde versuchte über die deutsche Botschaft den Prozess zu beschleunigen. Leider erfolglos, da unser Flugzeug in der Ukraine registriert ist, und die Botschaft sich nur für ein deutsches Flugzeug eingesetzt hätte. Auf dem deutschen Markt war keine wirtschaftliche Alternative zu finden.

Am 19. April wurde der Chartervertrag unterzeichnet, mit der Planung, dass am 4. Mai in Brasilien geladen und am 7. Mai in Kiruna entladen wird. Endlich war das Transport- konzept entsprechend den Wünschen unseres Kunden. Alles schien nunmehr im Zeitplan.

Die Flug-Genehmigung für Brasilien war wenige Tage später durch die Behörden erteilt, danach kam KRN-Schweden, danach SID-Kap-Verden, nur die Zwischenlandung in Spanien wollte nicht genehmigt werden. Eine Lösung musste gefunden werden. Wir wichen auf SNN-Irland aus – endlich lag auch aus Irland die Genehmigung vor.

Doch schon kam die nächste Überraschung: Der geplante Abgangsflughafen SJK-Sao Jose Dos Campos in Brasilien informierte uns am 28. April, dass die Landung der Antonov 24 nicht genehmigt werden kann, da aufgrund der technischen Ausstattung des Fluggerätes mehr Feuerwehrleute am Flughafen im Einsatz hätten sein müssen, als üblich anwesend sind. Dieses Mehrpersonal konnte der Flughafen leider nicht stellen. Schon wieder gab es ein Problem zu lösen. VCP-Viracopos – ca 100km südlich gelegen, wurde angefragt. Wenige Tage später erhielten wir die Zusage der Flughafenverwaltung aus Viracopos. Die Chartergesellschaft erstellte ein neues Flight schedule und der Absender sorgte für die Genehmigungen für den Bodentransport (LKW) nach Viracopos.

Kurz vor Deadline, am 2. Mai, hat die brasilianische Regierung die Exportgenehmigung erteilt. Endlich steht der Flugplan:

04 MAY’18 CVK7057 ETD/TTPP1230 ETA/SBKP2030 – FERRY/LOADING/CREW REST
05 MAY’18 CVK7058 ETD/SBKP1230 ETA/SBRF1630 – LOADED/TECHSTOP
05 MAY’18 CVK7058 ETD/SBRF1800 ETA/GVAC2350 – LOADED/TECHSTOP/CREW REST
07 MAY’18 CVK7058 ETD/GVAC0005 ETA/EINN0730 – LOADED/TECHSTOP
07 MAY’18 CVK7058 ETD/EINN0930 ETA/ESNQ1330- LOADED/OFFLOADING

 

Natürlich gab es auf der letzten Meile noch ein paar zusätzliche Aufregungen. Der LKW kam erst am 5. Mai in Viracopos an und die Beladung dauerte zwei Stunden länger als ursprünglich geplant. Diese Verzögerungen machten uns nicht wirklich nervös, nach all den Aktivitäten der letzten Wochen.

 

  1. Mai 15:49h local time – Die Antonov24 ist gelandet, der Logistik-Krimi ist zu Ende.

Nicht unerwähnt soll bleiben, dass alle Beteiligten bei den letzten Abstimmungen 24 Stunden im Einsatz waren. Die Informationen wurden minutiös ausgetauscht, sodass wir zu jeder Zeit exakt wussten, wie die Situation in Brasilien und auf dem Flug war.

Viel Aufregung, sehr viel Engagement aller Beteiligten, sowie ein perfektes Zusammenarbeiten aller Parteien, hat dieses Projekt zu einem positiven Abschluss gebracht. Ab jetzt liegt es in der Hand der Wissenschaftler die gewünschten Resultate aus der anstehenden Kampagne zu generieren.