Logistiker rüsten für den 3-D-Druck auf

Wozu lange auf ein Ersatzteil warten?
Bauteile lassen sich direkt vor Ort ausdrucken.
Wie der 3-D-Druck die Logistik verändert und an welchen neuen Services Speditions- und Logistikbetriebe arbeiten.

Auszug aus dem Artikel der Verkehrs Rundschau – 37/2017  15 September 2017   (c) Verlag Heinrich Vogel

Mit seinem jüngsten Coup schlägt Reinhard Klausner, Gründer und Geschäftsführer der Spedition Logistik Service Individuell (LSI) in Kirchheim bei München, gleich mehrere Fliegen mit einer Klappe.

So beschert Klausner die Fusion von LSI mit dem britischen 4PL-Anbieter Carousel Logistics ein Partnerunternehmen, das ebenfalls mit eigenen Overnight-Netzen und hoher IT-Kompetenz groß geworden ist. „Wir können unseren Kunden ab sofort Expressdienste nach Großbritannien bieten und sind heute schon für die Zeit nach dem Brexit gerüstet“, sagt Klausner. Vor allem aber will der LSI-Chef das dichte Carousel-Netz in Großbritannien für ein neues Geschäftsfeld nutzen. „Hier können eines Tages Probeläufe mit 3-DDruck starten.“

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Logistiker können Trümpfe ausspielen

Klausner hat allen Grund, sich für diese neue Technologie zu interessieren. Rund 80 Prozent seiner LSI-Sendungen enthalten Ersatzteile vorwiegend der Automobil-, Maschinenbau-, Medizintechnik- und Elektrotechnikindustrie. Viele Hersteller prüfen bereits, welche Logistikausgaben sie mit dreidimensionalem Druck sparen können. Vor allem „Langsamdreher“, die nur gelegentlich abgerufen werden, gelten als heiße Kandidaten für die „additive Fertigung“, wie 3-D-Druck ursprünglich hieß. Denn je mehr Teile kopierbar sind, desto weniger Flächen werden für die Lagerung benötigt. Und den Logistikdienstleistern brechen Geschäfte weg, wenn die 3-DDrucker bei den Verladern oder deren Kunden stehen. Ein Standort bei den Verladern bedeutet, dass die Dienstleister sich mit Anlieferung des Druckmaterials aus Kunststoff oder Metall sowie der Zustellung der gedruckten Komponenten begnügen müssen. Ein Standort bei den Kunden hat zur Folge, dass auch die Zustellung der reproduzierten Ersatzteile entfällt.

 

 

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Wenn jedoch die Geschäftspartner und ihre Kunden nicht in den 3-D-Druck einsteigen wollen, können Logistikdienstleister ihre Trümpfe ausspielen Vor allem für Branchenunternehmen mit überregionalen Netzwerken und Value Added Services eröffnen sich vielfältige Chancen. Wenn sie an ausgesuchten Standorten selbst oder mit einem Technologiepartner additive Fertigung anbieten, können sie Copyshop ihrer Auftraggeber werden und inklusive Zustellung Full Service anbieten. Ein neues Geschäftsfeld winkt also. „Auch Nischenbetriebe in der Ersatzteillogistik dürfen sich Chancen ausrechnen“, sagt Jan Ninnemann, geschäftsführender Gesellschafter der Hamburger Unternehmensberatung Hanseatic Transport Consultancy. Branchengrößen wie DHL und DPD haben das Marktpotenzial bereits ausgelotet. Der 3-D-Druck werde die Produktion und den Transport von Ersatzteilen und kundenspezifischen Komponenten beschleunigen, analysierte DHL unlängst in einem „Trendreport“. Der Bonner Logistikkonzern will branchenspezifische Lagerservices mit integrierten Reparatur- und Rücksendeangeboten entwickeln. „Vor allem für die Energie- und Maschinenbaubranche wären diese von unschätzbarem Wert“, meint Matthias Heutger, stellvertretender Abteilungsleiter für Strategie, Marketing und Innovation. Jetzt macht DHL Nägel mit Köpfen und verhandelt mit zwei Kunden über konkrete Projekte.